Schülermitverwaltung

Die Schülermitverwaltung besteht bei uns am Berufskolleg im Wesentlichen aus den Klassensprechern der einzelnen Klassen, dem Schulsprecher sowie dem von den Schülern gewählten Vertrauenslehrer.

Wir legen großen Wert darauf, dass sich möglichst alle Schüler bei uns wohl fühlen. Das ist nur gewährleistet, wenn wir partnerschaftlich miteinander umgehen. Aus dieser partnerschaftlichen Zusammenarbeit sind z.B. die beiden folgenden Einrichtungen entstanden:

Stichwort: Kiosk

Wie kommt man zu einem Kiosk? Ganz einfach, wird jeder sagen, das macht der Hausmeister. Nebenbei, versteht sich, er verdient ja auch daran. Aber was ist zu tun, wenn es an unserer kleinen Schule einen Teilzeithausmeister gibt, der nur nachmittags kommt?
Die Lösung ist eigentlich ganz einfach und liegt auf der Hand: Die Schüler betreiben den Kiosk selbst. Dann kommen sie auch in den Genuss; des Gewinns. Davon bestreiten sie z.B. ihre Abschlussfeier. Aber wie kann das reibungslos funktionieren?

Ganz einfach: Die Schulleitung stellt einen Raum zur Verfügung, z.B. im Keller oder im Erdgeschoss. Bei uns ist das eine Art Pavillon auf dem Schulhof, in dem ein Getränkeautomat aufgestellt ist. Dorthin liefert jeden Morgen ein Bäcker, mit dem wir einen "Dauerliefervertrag" zu günstigen Preisen gemacht haben, Brötchen und ein paar Croissants und Plunderteilchen. Ein Getränkehändler liefert alle zwei Monate massenhaft Cola, Fanta und Fruchtsäfte an. Fehlen noch die Süßigkeiten, auch Schoko-Snacks genannt. Die werden alle zwei bis drei Wochen günstig in einem Großhandel besorgt, für den wir einen Einkaufsschein haben. Wenn alle Waren da sind, kann´s losgehen:

Jeweils zwei Schüler einer Oberstufenklasse, die turnusmäßig eine Woche lang Dienst hat, betreuen an je einem Tag in der ersten und zweiten großen Pause den Kiosk. Sie holen aus der Verwaltung eine Kasse, in der 50 Euro Wechselgeld sind und bringen die Kasse nach der zweiten Pause wieder zurück. Dort wird der Inhalt der Kasse zusammen mit einer Mitarbeiterin aus der Verwaltung gezählt und es werden wieder 50 Euro in die Kasse zurückgelegt. Der Rest sind die Tageseinnahmen, über die auch ein Beleg ausgestellt wird. Sie kommen in einem Briefumschlag in den Tresor und werden einmal in der Woche von unserem Vertrauenslehrer, der auch die Buchführung macht, zur Bank gebracht.

Von allem, was umgesetzt wird, bleibt den Oberstufenschülern ein ordentlicher Gewinn übrig, um den Chaostag und die Abschlussfeier zu finanzieren. Trotzdem sind die Preise niedriger als an einem Kiosk oder in einer Bäckerei. Und davon haben alle Schüler etwas.

Ärger? Natürlich klappt es hin und wieder mal nicht mit den "Anschlüssen", z.B. montags, wenn Klassenwechsel ist oder wenn eine Klasse mal über eine Pause hinweg eine Arbeit schreibt. Aber es hat keinen Tag gegeben, an dem der Kiosk geschlossen blieb, weil sich Leute aus einer Klasse total verweigert haben. Und auf dieses Ergebnis können alle SchülerInnen stolz sein.

Stichwort: Pizza-Connection

Normalerweise verwendet man diesen Begriff in einem anderen Zusammenhang als mit einer seriösen Wirtschaftsschule. Bei uns hat das eher mit dem Schulklima zu tun, will sagen mit den Beziehungen zwischen SchülerInnen und LehrerInnen an unserer Schule.Und das geht so:

Wenn nach der Einschulung der Unterstufen zwei bis drei Monate verstrichen sind, dann wissen diese SchülerInnen meistens, wie der Hase läuft. Sie haben beobachtet und "gemerkt", dass einige Abläufe bei uns anders geregelt sind als an der vorherigen Schule, vielleicht haben einige von ihnen auch schon eine mehr oder weniger angenehme Bekanntschaft mit unsere Schulordnung gemacht. Das ist dann der richtige Moment, wo man sich mal gründlich austauschen sollte, denn nicht alle sind über alles begeistert. Vielleicht hat sich auch der eine oder andere über den jeweils anderen geärgert. Schüler über Lehrer, Lehrer über Schüler.

Die Indianer nennen das Pow Wow, also ein großes Palaver. Wir nennen das: Pizza-Tag. Wie geht das? - Ganz einfach: Alle essen gerne Pizza, fast alle (Frau Doohse knuspert lieber knackfrisches Gemüse, Herr Baumann bevorzugt 5 cm dicke Steaks und Herr Steggewentz schwärmt für kreolische Spezialitäten!). Aber an diesem Tag einigen wir uns eben auf Pizza. Der Pizzabäcker in Herford ist immer schon ganz wild, wenn wir mit der Bestellung bei ihm aufkreuzen, denn das wird für ihn ein gutes Geschäft.

Also: Am vereinbarten Termin treffen wir uns mittags um 13:00 Uhr im größten Klassenzimmer. Wir haben die Tische in einem großen Karree aufgestellt. Wir, das sind alle LehrerInnen und aus jeder Klasse zwei SchülerInnen (KlassensprecherIn und StellvertreterIn). In bunter Reihe plazieren wir uns an den Tischen. Zwei Lehrer bedienen. Dann essen wir erst mal und wenn wir damit fertig sind, stehen wir nicht etwa einfach auf und gehen. Nein, jetzt kommt was anderes auf den Tisch: Wir erzählen wir uns gegenseitig, was wir an dem jeweils anderen nicht so gut ab können. Niemand wird an den Pranger gestellt, sondern wir üben uns in konstruktiver Kritik.

Und da kommt alles auf den Tisch, ebenso bunt zusammengewürfelt wie eine Pizza Quattro Stagione oder eine Pizza Mista: zu wenig Parkplätze, Vertretungsplan ungünstig, nicht durchschaubare Bewertung von sonstigen Leistungen, ungerechte Behandlung durch einen Lehrer, zu harte Regeln in der Schulordnung, Wünsche an die Ausstattung, Hardware und Software usw. Dann die Lehrer: geringe Disziplin, Hausaufgaben nicht gemacht, unruhige Klassen, zu wenig Biss der SchülerInnen usw.

Klar: Wir können in diesem Gespräch nicht alles regeln und einige der Punkte lassen sich einfach nicht lösen (z.B. Parkhaus auf dem Schulhof), aber einerseits hören wir uns einfach mal gegenseitig stressfrei zu, was wir so für Probleme miteinander haben, andererseits sind aber auch schon immer mal wieder ein paar kreative Lösungen für Probleme angeregt worden, die in der täglichen Schulpraxis umgesetzt wurden.

Lacher gibt's auch, z.B. für folgende Äußerung einer Schülerin: Wir sollten ihn (einen Schüler) in einen Käfig sperren und während des Unterrichts unter die Decke ziehen.
Auch Komplimente gibt´s: Schön ist sicherlich, wenn Klassen wegen ihrer guten Performance gelobt werden oder wenn SchülerInnen sagen: Wir haben´s hier so gut wie nie zuvor.
Dann wissen wir: Wir werden weiter dran arbeiten, am prima Klima.

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